Mala Gospojina – die Geburt der Gottesmutter (21. September) - svetazvezda

Mala Gospojina – die Geburt der Gottesmutter (21. September)

Am 21. September (8. September nach dem julianischen Kalender) feiert die serbisch-orthodoxe Kirche Rođenje Presvete Bogorodice (die Geburt der Allheiligen Gottesgebärerin), im Volk bekannt als Mala Gospojina. Der Feiertag ist im Kirchenkalender mit rotem Buchstaben markiert und zählt zu den grossen Bogorodica-Festen – gemeinsam mit Vavedenje (Tempelgang der Gottesmutter), Blagovesti (Verkündigung) und Velika Gospojina (Entschlafung der Gottesmutter). Es ist ein unbeweglicher Feiertag, er fällt also jedes Jahr auf dasselbe Datum. Mit Mala Gospojina beginnt zugleich das neue Kirchenjahr in seiner festlichen Ordnung: Die Geburt der Gottesmutter ist das erste grosse Fest im orthodoxen Kalenderjahr, das am 14. September beginnt.

Joakim und Ana – die Eltern der Gottesmutter

Die Überlieferung der Kirche erzählt: Die heiligen Joakim und Ana lebten in Nazareth und blieben bis ins hohe Alter kinderlos – eine schwere Prüfung, die damals als Schande galt. Joakim stammte aus dem Geschlecht des Königs David, Ana aus dem priesterlichen Geschlecht Arons. So vereinte ihre Tochter in sich das königliche und das hohepriesterliche Geschlecht – ein Vorzeichen auf Christus, der aus ihr geboren werden sollte, als König und Hoherpriester.

In ihrer Demut beteten Joakim und Ana unter Tränen zu Gott, er möge ihr Alter mit einem Kind erfreuen, so wie er einst Avram und Sara mit dem Sohn Isak erfreut hatte. Joakim zog sich in die Wüste zurück und verbrachte vierzig Tage in Fasten und Gebet. Die beiden gelobten, das Kind, das Gott ihnen schenken würde, dem Dienst im Tempel zu weihen. Gott erhörte sie und schenkte ihnen weit mehr, als sie erhofft hatten: nicht nur eine Tochter, sondern die künftige Gottesmutter.

Die Bedeutung des Festes

Obwohl das Fest im Volksmund das kleine Gospojina-Fest heisst, ist seine Bedeutung gross: Mit der Geburt der Jungfrau Marija beginnt die Erfüllung des Heilsplans Gottes. Durch sie wird Christus geboren – die Sonne der Gerechtigkeit und der Erlöser der Welt. Schon die Propheten des Alten Testaments hatten dies angekündigt, etwa im Buch Genesis, wo es heisst, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird.
– 1. Mojsijeva (Genesis) 3,15

Im festlichen Tropar singt die Kirche:

Tvoje rođenje, Bogorodice Djevo, objavi radost celoj vaseljeni, jer iz tebe zasija Sunce pravde, Hristos Bog naš, koji razrušivši praroditeljsku kletvu dade blagoslov, a uništivši smrt, darova nam život večni.

Deine Geburt, Gottesgebärerin und Jungfrau, verkündete Freude dem ganzen Erdkreis; denn aus dir erstrahlte die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. Er löste den Fluch der Stammeltern, gab den Segen, vernichtete den Tod und schenkte uns das ewige Leben.

Geschichte des Festes

Das Fest der Geburt der Gottesmutter hat sich unter den Christen bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts fest etabliert. Dem byzantinischen Kaiser Mavrikije wird die Einführung der offiziellen Festfeier zugeschrieben. Der heilige Andrej Kritski (Andreas von Kreta) verfasste zu Beginn des achten Jahrhunderts einen feierlichen Kanon und zwei Predigten zum Fest – ein Zeichen dafür, dass es schon vor seiner Zeit gefeiert wurde.

Die Ikone des Festes

Die Ikone der Geburt der Gottesmutter (Roždestvo Bogorodice) zeigt die heilige Ana auf dem Lager und die neugeborene Marija in der Wiege, umgeben von Dienerinnen. Dieses Motiv gehört zu den festen Darstellungen der orthodoxen Ikonografie und der mittelalterlichen serbischen Klosterfresken. Eine der ältesten und am besten erhaltenen Darstellungen befindet sich in der Kraljeva crkva (Königskirche) im Kloster Studenica, der Stiftung des Königs Milutin. Auch mehrere serbische Klöster und Kirchen sind diesem Fest geweiht, darunter das Kloster Suvodol und die Trška crkva.

Svetazvezda Ikone Mala Gospojina – Rođenje Presvete Bogorodice - svetazvezda
Ikone Mala Gospojina

Bräuche und Volkstradition

Mala Gospojina beschliesst die Zeit der Međudnevice – die Tage zwischen Velika und Mala Gospojina. In dieser Zeit sammeln Frauen traditionell Heilkräuter wie hajdučka trava (Schafgarbe) und kičica (Tausendgüldenkraut), denen heilende Wirkung zugeschrieben wird.

Am Festtag selbst versammeln sich die Gläubigen zur Liturgie in Kirchen und Klöstern. Die Gottesmutter wird besonders von Frauen, Müttern und Mädchen verehrt, denn sie gilt in der christlichen Überlieferung als Vorbild der Mutterschaft, Reinheit und Hingabe – als Beschützerin der Gläubigen, Trösterin der Armen und Helferin aller in Not. Viele serbische Familien feiern Mala Gospojina als Krsna Slava, und in vielen Dörfern ist der Tag ein zavetni dan (Gelöbnistag), an dem sich das ganze Dorf zur Liturgie versammelt.

Nach altem Brauch verrichten Frauen an diesem Tag keine schwere Hausarbeit, und neue Arbeiten oder Vorhaben werden nicht begonnen. In Serbien finden rund um das Fest traditionell grosse Jahrmärkte statt – die bekanntesten in Šabac, Topola und Negotin. Auch der Blick zum Himmel hatte Bedeutung: Ist das Wetter an Mala Gospojina klar und sonnig, erwartet man einen milden Herbst und Winter. Und noch etwas beginnt mit diesem Fest: Nach der Volksüberlieferung ist Mala Gospojina ein guter Tag für Hochzeiten – mit ihm beginnt traditionell die Zeit der Herbsthochzeiten.

Ein allgemeines Fasten ist an Mala Gospojina nicht vorgeschrieben. Fällt der Feiertag jedoch auf einen Mittwoch oder Freitag, halten viele Gläubige das wöchentliche Fastengebot ein.

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Modlice Mala Gospojina

Ein Fest der Freude und der Hoffnung

Mala Gospojina verbindet Glaube, Freude und Hoffnung. Das Fest erinnert daran, dass Gott auch durch stille, scheinbar gewöhnliche Ereignisse den Weg des Heils öffnet – und dass beharrliches Gebet nicht unbeantwortet bleibt. Joakim und Ana warteten ein Leben lang, und Gott schenkte ihnen mehr, als sie je erbitten konnten. So ist dieser Tag ein Aufruf zu Glaube, Geduld, Dankbarkeit und Frieden im eigenen Haus.

Srećna Mala Gospojina!

Quellen

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