Usekovanje – Die Enthauptung des heiligen Jovan Krstitelj - svetazvezda

Usekovanje – Die Enthauptung des heiligen Jovan Krstitelj

Am 11. September (nach dem julianischen Kalender am 29. August) begeht die Serbisch-Orthodoxe Kirche Usekovanje glave Svetog Jovana Krstitelja (die Enthauptung des Hauptes des heiligen Johannes des Täufers). Der Feiertag ist im Kirchenkalender mit rotem Buchstaben markiert und zugleich ein strenger, eintägiger Fasttag – egal, auf welchen Wochentag er fällt. Im Volk ist der Tag auch als jesenji Sveti Jovan (herbstlicher heiliger Johannes) oder Jovan Glavosek bekannt.

Die Geschichte hinter dem Feiertag

Das Ereignis, an das dieser Tag erinnert, ist im Matthäusevangelium (Mt 14, 1–13) beschrieben. Herod Antipa, der Herrscher von Galiläa, hatte Irodijada zur Frau genommen – die Frau seines eigenen Bruders Filip. Sveti Jovan Krstitelj, der grosse Prophet und Vorläufer Christi, scheute sich nicht, diesen Gesetzesbruch offen und vor allen anzuprangern. Dafür liess Herod ihn ins Gefängnis werfen.

An Herods Geburtstagsfeier tanzte Salomija, die Tochter der Irodijada, vor den Gästen. Der Herrscher versprach ihr dafür, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Auf Drängen ihrer Mutter verlangte sie das Haupt des Sveti Jovan – auf einer Schale. Herod liess den Propheten im Gefängnis enthaupten, und sein Haupt wurde auf einer Platte hereingetragen. Irodijada vergrub das Haupt in ihrem Palast; die Jünger des Sveti Jovan bestatteten seinen Leib in Sevastija, im Gebiet des alten Samaria.

Die kirchliche Überlieferung berichtet auch vom weiteren Schicksal der Beteiligten: Herod wurde vom Fürsten Areta militärisch vernichtend geschlagen und später von Rom in die Verbannung geschickt, wo er mit Irodijada in Elend und Erniedrigung endete. Salomija kam auf dem Fluss Sikoris ums Leben.

Dieser Feiertag wird seit den frühesten Jahrhunderten der Kirche begangen – schriftliche Zeugnisse gibt es bereits aus dem 5. Jahrhundert.


Warum an Usekovanje streng gefastet wird

Usekovanje ist einer der wenigen Tage im Kirchenjahr, an denen unabhängig vom Wochentag streng gefastet wird. Das Fasten ist ein Zeichen der Trauer über das Martyrium des grössten Propheten – Christus selbst nannte Sveti Jovan den Grössten unter allen, die von Frauen geboren wurden. Nach der Tradition wird an diesem Tag suvi post gehalten, also strenges Fasten ohne Öl. An Usekovanje wird nicht gefeiert, nicht getanzt und keine Festlichkeit abgehalten.

Die Bräuche an Usekovanje

Rund um den Feiertag haben sich im serbischen Volk Bräuche erhalten, die alle an das Leiden des Sveti Jovan erinnern:

Nichts Rotes essen und trinken. An diesem Tag wird nichts Rotes gegessen oder getrunken – kein roter Wein, keine Tomaten, keine roten Äpfel oder anderes rotes Obst. Die rote Farbe erinnert an das vergossene Blut des Propheten. Besonders bei Kindern achten viele Familien darauf.

Kein Messer in die Hand nehmen. Es wird nichts geschnitten – Brot wird gebrochen statt geschnitten. Das Messer erinnert an die Waffe, mit der Sveti Jovan enthauptet wurde.

Nicht von der Platte essen. Nach der Überlieferung soll an diesem Tag nichts von einer Platte oder einem Tablett gegessen werden, weil das Haupt des Sveti Jovan auf einer Schale hereingetragen wurde.

Den roten Faden ablegen. Wer einen roten Faden am Handgelenk trägt, legt ihn an diesem Tag ab.

Usekovanje in der Diaspora leben

Gerade wer weit von der Heimat lebt, kennt diese Bräuche oft von den Eltern oder Grosseltern – ohne dass je jemand erklärt hat, warum sie eingehalten werden. Usekovanje ist ein Tag, an dem der Glaube ganz konkret wird: durch das Fasten, durch die Stille, durch den Verzicht. Es ist ein guter Tag, um in die Kirche zu gehen, eine Kerze anzuzünden und vor der Ikone des Sveti Jovan Krstitelj ein Gebet zu sprechen – für sich, für die Familie und für alle, die uns diesen Glauben weitergegeben haben.


Quellen:

  • Srpska pravoslavna crkva (spc.rs)
  • Ohridski prolog, Sveti Nikolaj Velimirović
  • Crkva Svetog Save, London (spclondon.org.uk)
  • Politika, „SPC danas slavi Usekovanje glave Svetog Jovana Krstitelja"
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