Mitrovske zadušnice (Herbst-Totengedenken) – Samstag, 7. November
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Am Samstag, 7. November, begeht die Serbisch-Orthodoxe Kirche die Mitrovske zadušnice (Herbst-Totengedenken). Sie fallen immer auf den Samstag vor Mitrovdan, dem Fest des Sveti velikomučenik Dimitrije (heiliger Grossmärtyrer Demetrius) am 8. November, und tragen deshalb seinen Namen. Im Volk heissen sie auch jesenje zadušnice (Herbst-Zadušnice). Es sind die letzten Zadušnice des Kirchenjahres: ein Tag, an dem die ganze Kirche für die Verstorbenen betet, für Eltern und Grosseltern, Geschwister, Freunde und alle, die vor uns in die Ewigkeit gegangen sind.
Was sind Zadušnice?
Das Wort Zadušnice kommt von duša (Seele) und bedeutet sinngemäss Tage für die Seelen. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche kennt vier grosse Zadušnice im Jahr: die zimske oder velike zadušnice (Winter- oder grosse Zadušnice) vor der Grossen Fastenzeit, die Duhovske zadušnice vor Pfingsten, die Miholjske zadušnice vor Miholjdan im Oktober und zuletzt die Mitrovske zadušnice vor Mitrovdan. Dazu kommt der Pobusani ponedeljak, der achte Tag nach Vaskrs (Ostern), an dem die Gräber geschmückt werden.
Alle Zadušnice fallen auf einen Samstag. Das hat einen tiefen Grund: Am Samstag lag Isus Hristos im Grab. Deshalb ist der Samstag in der orthodoxen Kirche seit jeher der Tag, an dem besonders der Verstorbenen gedacht wird.
Warum wir für die Verstorbenen beten
Für die Kirche endet die Liebe nicht mit dem Tod. Die Verstorbenen können selbst nichts mehr tun, um ihr Leben zu ändern, aber wir können für sie beten. Die Zadušnice sind deshalb kein Tag der Trauer allein, sondern ein Tag der Hoffnung auf die Auferstehung und der Verbundenheit zwischen den Lebenden und den Entschlafenen. Die Geistlichen der Serbisch-Orthodoxen Kirche erinnern an diesem Tag gerne an die Mahnung des Sveti Jovan Zlatousti (Johannes Chrysostomos), den Verstorbenen mit dem Gebet beizustehen und nicht zu zögern, für sie zu beten:
Помозите покојнима и помињите их.
Helft den Verstorbenen und gedenkt ihrer.
– Свети Јован Златоусти
Liturgie, Proskomidija und Parastos
Das wichtigste Gebet für die Verstorbenen geschieht in der Heiligen Liturgie. Bei der Proskomidija, der Vorbereitung der Gaben, entnimmt der Priester aus der Prosphora (Opferbrot) kleine Teilchen für die Verstorbenen und nennt dabei jeden einzelnen Namen. Darum ist es wichtig, die Namen der Verstorbenen in die Kirche zu bringen. Viele Gläubige schreiben sie auf einen Zettel oder tragen sie in einen Pomenik ein, ein kleines Buch mit den Namen der Lebenden und der Verstorbenen der Familie, und geben ihn dem Priester.
Nach der Liturgie wird der Parastos gefeiert, der Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen. Dabei übergiesst der Priester den gekochten Weizen mit Rotwein. Danach gehen die Gläubigen auf den Friedhof, zünden an den Gräbern Kerzen an, und der Priester hält eine kurze Andacht und beräuchert die Gräber. Wer nicht ans Grab seiner Angehörigen gelangen kann, lässt das Gedenken in der Kirche halten.
Žito, Wein und Kerze: was sie bedeuten
Das Koljivo, im Volk meist einfach žito (gekochter Weizen), steht im Mittelpunkt jedes Totengedenkens. Es geht auf ein Wort des Herrn zurück, der vom Weizenkorn spricht, das in die Erde fallen und sterben muss, um Frucht zu bringen. Das Korn steht für den sterblichen Leib, der in die Erde gelegt wird, und zugleich für die Hoffnung auf die Auferstehung.
Заиста, заиста вам кажем: Ако зрно пшенично паднувши на земљу не умре, оно једно остане; ако ли умре много рода роди.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.
– Јован 12,24
Der Rotwein, mit dem der Priester das žito übergiesst, steht für die Barmherzigkeit Gottes, die die Wunden der Sünde heilt. Die Kerze steht für das Licht von Isus Hristos, das die Seelen der Verstorbenen erleuchten soll, und ist zugleich ein kleines Opfer an Gott. Mehr über die Bedeutung der Kerze lesen Sie in unserem Beitrag Bienenwachskerzen im serbisch-orthodoxen Glauben.
Almosen statt Festmahl
Zu den Zadušnice gehört die milostinja (Almosen). Die Kirche betont, dass die Speisen auf dem Friedhof nicht dazu da sind, die Verstorbenen zu ernähren. Sie sollen mit den Menschen geteilt werden, besonders mit den Bedürftigen, verbunden mit dem Gebet für die Seele des Verstorbenen. Ebenso gut kann man im Namen des Verstorbenen einer armen Familie, Kranken oder Waisen helfen. Die Kirche kennt auch ein geistliches Almosen: geistliche Bücher an Menschen zu verschenken, die sie sich nicht leisten können, oder sie einer Kirchenbibliothek zu stiften.
Bräuche und Volksglaube
Zum Grab bringt man traditionell gekochtes žito, Rotwein und Kerzen, in vielen Gegenden auch Pita, Gebäck, Kaffee oder andere Speisen. Man nimmt so viele Kerzen mit, wie man Verstorbener gedenkt. Jedem, der an das Grab tritt, wird etwas angeboten, und er soll wenigstens einen Bissen nehmen. Als grosse Sünde gilt es, an den Zadušnice jemanden vom Grab wegzuschicken. Nach altem Brauch bereiten die Frauen die Speisen zu, und Zadušnice werden nie in einer Fastenzeit gehalten.
In manchen Gegenden Serbiens geht man an diesem Tag nicht auf den Friedhof, sondern deckt zu Hause den Tisch, während in der Kirche für die Verstorbenen gebetet wird. Der Hausvater bringt dafür die Namen der verstorbenen Vorfahren auf einem Zettel in die Kirche, damit jeder im Gebet erwähnt wird. In Ostserbien glaubt man, dass eine an den Zadušnice angezündete Kerze bis zu den nächsten Zadušnice brennt, und dass ein Verstorbener, für den keine Kerze angezündet wird, ein Jahr lang im Dunkeln bleibt.
Zadušnice fern der Heimat
Viele serbische Familien in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Amerika und Australien haben ihre Verstorbenen in Serbien begraben. Den Weg zum Grab schafft nicht jeder an diesem Samstag. Das Gebet aber ist an keinen Ort gebunden. Auch in den serbischen Gemeinden im Ausland werden an den Zadušnice die Liturgie und der Parastos gefeiert. Die Gläubigen schreiben die Namen ihrer Verstorbenen auf und geben sie vor dem Gottesdienst dem Priester, damit er sie alle verliest. So kann jeder seiner Angehörigen gedenken, wo immer er lebt, in der Kirche mit seiner Gemeinde und zu Hause mit einer Kerze vor der Ikone.
Am Tag danach, am Sonntag, 8. November, feiert die Kirche Mitrovdan. Mehr über den Heiligen lesen Sie in unserem Beitrag Sveti velikomučenik Dimitrije – Mitrovdan am 8. November.
Ein Tag der Liebe, die bleibt
Die Mitrovske zadušnice erinnern uns daran, dass wir mit unseren Verstorbenen verbunden bleiben. Eine Kerze, ein Name, der im Gebet genannt wird, ein Teller žito, der mit einem Fremden geteilt wird: Das sind kleine Zeichen, aber sie tragen die grösste Hoffnung des Glaubens in sich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Бог да им душу прости.
Gott vergebe ihren Seelen.
Вечнаја им памјат.
Ewiges Gedenken.
Für das Gedenken in der Kirche und zu Hause
Für alle, die an diesem Tag ihrer Verstorbenen gedenken, in der Kirche, am Grab oder zu Hause vor der Ikone. Unsere Kerzen finden Sie in der Kollektion Bienenwachskerzen, Weihrauch und Zubehör in der Kollektion Weihrauch, Kandilo und Zubehör und geistliche Bücher in der Kollektion Bücher. Wie Sie die Ikonen zu Hause würdig aufstellen, lesen Sie in unserem Beitrag Kućni ikonostas.
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Quellen
- Orthodoxia News Agency – Михољске задушнице (Proskomidija, Koljivo, Wein, Kerze, Almosen, Ablauf): https://www.orthodoxianewsagency.gr/pdf.php?id=143294
- Večernje novosti – Данас су Митровске задушнице (Bräuche, Kerzen, Speisen): https://www.novosti.rs/c/drustvo/vesti/1541728/danas-mitrovske-zadusnice-dan-kada-molimo-duse-najmilijih-ako-idete-groblje-obavezno-ponesite-kuvano-zito-crno-vino-svece
- Kurir – Mitrovske zadušnice, običaji i verovanja: https://www.kurir.rs/vesti/drustvo/9818312/mitrovske-zadusnice-obicaji-i-verovanja
- Kurir – Danas su Mitrovske zadušnice (Sveti Jovan Zlatousti, Pobusani ponedeljak): https://www.kurir.rs/vesti/drustvo/2007695/danas-su-mitrovske-zadusnice-obidite-grobove-i-zapalite-svece
- Informer – Mitrovske zadušnice 2026 am Samstag, 7. November: https://informer.rs/hronika/vesti/1166481/visi-sud-u-nisu
- St. Sava Serbian Orthodox Church Merrillville – Zadusnice Memorial Service (Samstag, Namenslisten, viermal im Jahr): https://www.saintsava.net/memory-of-192-loved-ones-recognized-at-memorial-service/
- Serbian Orthodox Church Atlanta – Духовске задушнице (Koljivo und Hoffnung auf die Auferstehung): https://atlantaserbs.com/web/events/2025/DuhovskeZadusnice/index.html
- Sveti Justin Ćelijski – Тумачење Јеванђеља по Јовану, Ако зрно пшенично (Јован 12,24): https://www.pravoslavni-odgovor.com/Crkva_Hristova/Tumacenje%20Jevandjelja%20po%20Jovanu/zrno_Avva_Justin.htm
- Palanka danas – Свештеник о житу и вину на Задушнице: https://palankadanas.com/sta-se-nosi-na-groblje-za-miholjske-zadusnice-svestenik-objasnio-sta-je-zaista-vazno-poneti-i-cemu-sluze-zito-i-vino/

